Zweikampfstarke Füchse siegen verdient in Wetzlar!

Foto: Verein

1.Bundesliga
Tools
Typography
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

„Das sage ich in dieser Form selten, aber heute bin ich vom Auftritt meiner Mannschaft sehr enttäuscht. Wir waren heute nicht gut. Wir waren fahrig, nicht aggressiv und nicht fokussiert. Das geht so nicht!" So die ersten Worte von Kai Wandschneider, Trainer der HSG Wetzlar, in der Pressekonferenz nach der 24:29-Heimniederlage seines Teams gegen die Füchse Berlin.

„Die Füchse haben hier verdient gewonnen, weil wir nicht so da waren wie in den letzten beiden Spielen. Man hat von Beginn an gesehen, dass uns der richtige Zugriff gefehlt hat. In der Abwehr haben wir fast jedes Eins-gegen-Eins-Duell verloren und deshalb etliche leichte Tore von sechs Metern bekommen. Im Angriff haben wir in der ersten Halbzeit noch relativ diszipliniert gespielt, aber Mitte der zweiten Hälfte, als das Spiel zu kippen schien, hat Berlin auf eine 5:1-Deckung umgestellt und wir unerklärliche Fehler fabriziert. Mit diesen katastrophalen Fehlpässen haben wir die Füchse zu Toren eingeladen und uns komplett zerstört. Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir, als wir in der 40. Minute mit 18:17 in Führung gehen, noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft geht – war aber nicht so!"

Vor 3.786 Zuschauern in der Rittal Arena erwischten die Gastgeber den besseren Start und trafen durch Neuzugang Maximilian Lux und Stefan Cavor zum 2:1 (3.). Doch danach legten die Berliner vor allem durch den bärenstarken Hans Lindberg immer wieder vor. Auch weil Maximilian Holst mit einem Siebenmeter an Silvio Heinevetter gescheitert war.

Füchse-Youngster Simak zeigte sich treffsicherer und markierte das 5:6 (15.) und Gäste-Kreisläufer Marsenic netzte nach einem Pass von Füchse-Spielmacher Holm zum 5:7 und der ersten Zwei-Tore-Führung für die Hauptstadthandballer ein. Als dann Wetzlar in Unterzahl ran musste, weil Stefan Kneer innerhalb von Sekunden die Gelbe Karte und eine Zweiminutenstrafe kassiert hatte, setzten sich die Berliner weiter ab. Auch eine Auszeit von Kai Wandschneider konnte die Gäste nicht stoppen. Hans Lindberg verwandelte per Gegenstoß zum 8:12 (24.).

Doch dann wurde es laut in der Halle. Füchse-Kreisläufer Johan Koch erwischte Wetzlars Spielmacher Olle Forsell Schefvert, der dennoch traf, aus vollem Tempo am Kopf und sah von den guten Schiedsrichtern Robert Schulze und Tobias Tönnies direkt die rote Karte. Nun war wieder Stimmung in der Bude. In doppelter Überzahl verkürzten die Gastgeber durch Anton Lindskog auf 11:13. Kurz danach traf Maximilian Holst per Siebenmeter zum Anschluss. Beim Stand von 14:12 für die Gäste ging es in die Pause.

Aus dieser kamen die Mittelhessen mit ordentlichem Elan und schafften es bis zur 39. Spielminute nicht nur auszugleichen (Hermann, Cavor und Lindskog trafen jeweils doppelt), sondern nach einem verwandelten Tempogegenstoß durch Maximilian Holst sogar mit 18:17 in Führung zu gehen. Doch das Gästeteam von Trainer Velimir Petkovic ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und hatte einen weiteren bärenstarken Mann in ihren Reihen, den Dänen Jakob Holm. Ihn bekam die Wetzlarer Deckung nur ganz selten in den Griff und der flinke Rechtshänder war es auch, der das Spiel mit seinem Treffer zum 19:18 für die Füchse wieder drehte.

Die Hausherren raubten sich in dieser Phase dann selbst aller Chancen auf einen Sieg. Gegen die 5:1-Deckung der Gäste mit Isländer Bjarki Elisson auf der Spitze fabrizierten die Grün-Weißen zum Teil haarsträubende Abspielfehler. Vor allem Routinier Hans Lindberg bedankte sich dafür artig und erzielte nach Berliner Ballgewinnen drei blitzsaubere Gegenstoß-Tore. Die Füchse zogen so auf 24:19 (47.) und entschieden die Partie somit letztlich vorzeitig.

In der Folgezeit konnte Wetzlars Torhüter Till Klimpke zwar glänzen, als er Hans Lindberg zunächst einen Gegenstoß, dann einen Siebenmeter inklusive Nachwurf abnahm. Aber im Angriff der Hausherren blieb es bei Stückwerk. Am Ende jubelten die Hauptstadt-Handballer über einen verdienten 29:24-Auswärtssieg und hinterließen ratlose Wetzlarer.

„Das war einfach zu wenig heute von unserer Mannschaft", bilanzierte auch HSG-Geschäftsführer Björn Seipp nach der Niederlage. „Man hat von Beginn an gesehen, dass in der Abwehr der letzte Zugriff gefehlt hat. Deshalb kamen auch unsere Torhüter nicht ins Spiel, weil sie fast durchgehend mit Würfen aus der Nahdistanz konfrontiert wurden. Ich glaube wir haben im ganzen Spiel vielleicht drei Rückraumtreffer kassiert. Die schwache Quote im Eins-gegen-Eins war das große Problem in der Abwehr und im Angriff musst Du gegen eine 5:1-Deckung halt auch mal Lösungen finden, so wie es uns in der ersten Halbzeit in Kiel gelungen ist. Warum wir uns da heute so schwer getan haben, müssen wir die Spieler fragen. In dieser Phase haben wir in der Offensive jegliches Konzept vermissen lassen."

Besonders angefressen war Kai Wandschneider nach dem Partie, als er in der Pressekonferenz auf seine Reservisten angesprochen wurde. „Das ist ein permanentes Auf und Ab, gerade bei unseren derzeitigen Bankspielern. Von ihnen bin ich heute wieder enttäuscht, das war ich auch schon in Gummersbach. Durch sie kommt kein Schub in die Mannschaft. Ich sehe hier gerade eine Stammbesetzung, die auch in den vergangenen Spielen die Kohlen aus dem Feuer geholt hat, und dann zu wenig Spieler, die sich mit Leistung, und nur darauf kommt es an, anbieten. In Gummersbach hat unsere erste Garde am Sonntag alles rausgehauen, das war emotional ein ganz schwieriges Spiel für uns, und heute, nur vier Tage später, hat diesen Spielern deshalb vielleicht auch etwas die Kraft gefehlt. Wenn dann von der Bank kein Impuls kommt, dann hat jede Mannschaft ein Problem", der 59-jährige, der nunmehr zehn Tage Zeit hat, um sein Team auf die nächste Aufgabe bei GWD Minden vorzubereiten.