Konstanz läßt sich Schneid abkaufen

Foto: Peter Pisa

3.Liga Süd
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Nur sieben Treffer in der ersten Halbzeit, nach 45 Minuten zwischenzeitlich mit zehn Treffern in Rückstand und bis dahin überhaupt nicht wieder-zuerkennen: Drittliga-Spitzenreiter HSG Konstanz durchlebte im Topspiel beim bislang hartnäckigsten Verfolger Kaiserslautern-Dansenberg trotz der Unterstützung durch 70 stimmgewaltige HSG-Fans einen rabenschwarzen Tag.

Die Aufholjagd in der letzten Viertelstunde kam zu spät. Trotz der 20:24 (7:13)-Niederlage hat Konstanz allerdings weiter ein komfortables Sieben-Punkte-Polster auf die Verfolger und kann – sollte Dansenberg am Freitag in Saarlouis verlieren – am Samstag, 20 Uhr, mit einem Sieg gegen den Tabellendritten Rhein-Neckar Löwen in der heimischen „Schänzle-Hölle“ dennoch vorzeitig die Süddeutsche Meisterschaft feiern.

Doch dafür muss die HSG schnellstmöglich den vor allem in der ersten Halbzeit wohl schwächsten Auftritt seit langer Zeit aus den Gliedern bekommen. Wenn auch die Konstanzer Leistung zwei Seiten der Erklärung hat. Die eine war die in einem Topspiel nicht ausreichende eigene Vorstellung, die andere eine wirklich famose des bärenstarken Kontrahenten: Dansenberg agierte von der ersten Minute an hochaggressiv und mit viel Härte in der Deckung – und Konstanz wirkte beeindruckt.

„Der Gegner war 100 Prozent und darüber hinaus motiviert und wollte uns ans Leder kann man schon fast sagen“, erklärte Daniel Eblen und gestand: „Wir haben uns dadurch ein wenig den Schneid abkaufen lassen. Das war vom Gegner nicht bösartig – nur sehr hart.“ Doch das zeigte Wirkung. Die Gäste kamen gegen die beste Defensive der Liga kaum zu guten Abschlusspositionen, wurden stets sofort attackiert und dabei nicht geschont. So mussten vor allem Kreisläufer Fabian Wiederstein und Rückraum-Shooter Paul Kaletsch viel einstecken. So waren vier der ersten fünf Konstanzer Treffer allesamt Siebenmeter. Eblen wollte sich aber nicht beschweren, sondern suchte den Fehler auf der eigenen Seite. „Wir hätten uns darauf besser einstellen müssen“, meinte er. „Das ist uns leider nicht gelungen.“
Etwa, als Dansenberg insgesamt zehn Minuten in Unterzahl hatte spielen müssen, Konstanz jedoch viel zu wenig Kapital aus der numerischen Überlegenheit schlagen konnte. Dazu kam ein Kevin Klier in überragender Verfassung. Der langjährige Erstliga-Torwart blieb reihenweise Sieger im Duell mit den Konstanzer Offensivkräften und tat sein Übriges dazu, dass sich die Pfälzer nach dem 5:7 durch Paul Kaletsch vom Strafwurfpunkt Stück für Stück bis auf 10:5 (20.) absetzten. Zur Halbzeit waren es schließlich sogar sechs Tore Unterschied, obwohl die eigene Defensive durchaus ordent-lich spielte. Lediglich das Gespann aus dem Franzosen Loic Laurent und dem Ex-Konstanzer Sebastian Bösing bekamen die Gelb-Blauen lange nicht in den Griff.

Nach der Pause wurde es zunächst nicht besser. Konstanz hatte zu viel Respekt vor dem, was innerhalb der neun Meter vor dem Tor der Gastgeber wartete und kassierte durch Bösing gar das 11:21 (45). Gerade als sich eine Demütigung anbahnte, berappelte sich Konstanz jedoch plötzlich. Aus der ordentlichen wurde nun eine „gute Abwehr“ (Eblen) und einige Umstellungen und andere Formationen, in Kombination mit nun spürbar nachlassenden Kräften auf Dansenberger Seite, ließen das Spiel nun in eine völlig andere Richtung laufen. Konstanz zeigte sich abschlusssicherer von außen und startete einen furiosen Zwischenspurt. Fast 13 Minuten blieb Kaiserslautern nun ohne eigenen Torerfolg und bei 21 Treffern stehen und die HSG schloss mit einem 6:0-Lauf zum 17:21 auf (53.). Der eingewechselte, stark haltende Maximilian Wolf im Tor des Tabellenführers bereitete gar den Weg
für einen freien Gegenstoß und die große Chance zum Anschluss auf nur noch drei Tore Rückstand. Doch Kevin Klier, mit weit ausgebreiteten Armen und Beinen im 90-Grad-Winkel zum Hallenboden, parierte den Versuch von Samuel Wendel spektakulär.

Als Paul Kaletsch dann tatsächlich auf 20:23 verkürzt hatte, war das Spiel bereits entschieden. Weil Kaletsch in der letzten Aktion noch zum ersten Mal im siebten Versuch an diesem Abend aus sieben Metern scheiterte, war die 20:24-Niederlage perfekt. „Solche Spiele machen allerdings erwachsen, da muss man durch“, hofft Eblen zumindest auf wichtige Erfahrungen und einen Lerneffekt bei seiner jungen Mannschaft. „Die zweite Hälfte war viel besser. Wir wollten noch einmal alles versuchen und herankommen, das ist uns leider nicht mehr gelungen.“
Bemerkenswert war einmal mehr die Reaktion der 70 mitgereisten HSG-Fans, die zusammen mit den TuS-Anhängern in der kleinen, sehr engen Halle für eine beeindruckende Stimmung gesorgt hatten. Mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“-Sprechchören, aufmunternden Worten und viel Applaus wurde die völlig enttäuschte Mannschaft direkt wieder aufgerichtet. Eblen: „Die Fans haben uns solch ein Spiel zugestanden. So schlimm solche Partien durchzustehen sind, je weiter bringen sie dich als Mannschaft.“ Für den 44-Jährigen war darin gar mehr zu erkennen. „Das ist mehr als nur Fans und Team. Das ist eine HSG.“ Eine HSG, so die Hoffnung ihres Übungsleiters, die aus den Erfahrungen in Dansenberg viel mitnimmt und sich entwickelt.

Schon am Samstag, 20 Uhr, hat der Spitzenreiter in der heimischen „Schänzle- Hölle“ die Gelegenheit, sich gegen den Tabellendritten Rhein-Neckar Löwen II im nächsten Topspiel von einer ganz anderen Seite zu präsentieren. Jener, die 21 Siege in 25 Partien einbrachte und – bei einer Niederlage von Dansenberg am Freitag in Saarlouis – die Chance auf die frühzeitige Süddeutsche Meisterschaft eröffnet. Sieg Nummer 22 vorausgesetzt.

TuS Kaiserslautern-Dansenberg – HSG Konstanz 24:20 (13:7)

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Simon Tölke (Tor); Michel Stotz, Fabian Schlaich, Matthias Hild, Tom Wolf, Fabian Wiederstein, Paul Kaletsch (8/6), Felix Krüger (1), Joschua Braun (3), Tim Jud (1), Tim Keupp (2), Samuel Wendel (5).

Zuschauer: 500 in der Sporthalle Dansenberg.
Schiedsrichter: Oliver Frankholz und Philipp Frankholz.

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Letzte Aktualisierung: 20.04.2019 04:16:29
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