Kantersieg gegen Stuttgart

Foto: Lächler

1.Bundesliga
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Mit Spielwitz, großem Einsatz und einer gehörigen Portion Spaß hat der THW Kiel am Sonntagnachmittag eindrucksvoll seine Tabellenführung in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga verteidigt. Gegen den TVB Stuttgart, der nach dem Auswärtssieg bei der MT Melsungen mit breiter Brust nach Kiel gereist war, taten sich die Zebras eine Viertelstunde lang schwer.

Dann streiften sie zwischenzeitlich den Gala-Anzug über und deklassierten die Schwaben mit 35:23 (19:11). Beste Torschützen vor 10285 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena waren Harald Reinkind (7) und Niclas Ekberg (7/5).

Gegen den TVB Stuttgart, gegen den sich die Kieler vor allem beim 35:34 im Pokal-Viertelfinale extrem schwer getan hatten, musste THW-Trainer Filip Jicha auf den noch immer an den Folgen eines Infektes leidenden Nikola Bilyk verzichten. Wieder im Kader stand hingegen Patrick Wiencek, der zuletzt wegen einer Gehirnerschütterung hatte pausieren müssen. Die Partie startete mit großem Elan auf Seiten der Schwarz-Weißen, die sich trotzdem schwer taten. Bis zum 5:5 plätscherte die Begegnung ein wenig dahin, ehe Dario Quenstedt mit einer Doppel-Parade das Signal zur Attacke blies. Rune Dahmke überwand Nationaltorhüter Johannes Bitter mit einem seiner berühmten "Um die Ecke"- Würfen, Ekberg versenkte einen Gegenstoß. Dann wurde es spektakulär, artistisch, unglaublich: Duvnjak war an Bitter gescheitert, den Abpraller fing Dahmke in der Luft und versenkte den Ball im Flug mit einem Wurf hinter dem Rücken zum 8:5. Ein Treffer Marke "Tor des Jahres", der trotz des TVB-Doppelpacks ein weiteres Signal aussandte: Nach dem Kraftakt im Königsklassen-Topspiel gegen Veszprem am vergangenen Mittwoch hatten die Zebras erneut richtig Lust auf Handball!

Das merkten auch die Fans auf den Tribünen, die fortan aus dem Staunen, aus "Ahs" und "Ohs", aus dem Jubel kaum mehr herauskamen. Der THW Kiel hatte auf die offensive Deckungsvariante umgestellt, und das Spektakel nahm seinen Lauf. Ole Rahmel, kurz zuvor erst eingewechselt, traf zum 9:7, Patrick Wiencek versenkte den Ball nach Duvnjak-Pass zum 10:7, Ekberg verwandelte einen Siebenmeter zum 11:7 - drei Minuten benötigte der THW Kiel, um in die Spur zu kommen. Weitere elf Minuten, um Stuttgart in seine einzelnen Komponenten zu zerlegen. Auch, weil Harald Reinkind nicht zu stoppen war: Satte sieben Mal traf der Linkshänder bis zum Wechsel, jagte den Ball aus beinahe allen Rückraum-Positionen ins Tor. Weil der THW in der Abwehr zu Ballgewinnen kam, von denen unter anderem Rahmel mit einem Trickshot aus ganz spitzem Winkel zum 13:8 profitierte. Und weil der THW in Miha Zarabec einen quirligen, spielfreudigen Regisseur hatte, der sich mit einem Traum-Boden-Pass auf Hendrik Pekeler (15:9, 23.) und einem weiteren Anspiel der Marke Extraklasse auf Reinkind (16:9) Szenenapplaus abholte. So warfen die Zebras mit einem 11:4-Lauf in 15 Minuten bis zur Pause ein 19:11 heraus.

Auch nach dem Wechsel regierte auf dem eigenen Terrain nur der THW Kiel: Pekeler erzielte das 20:11, Quenstedt hielt und traf zum 21:11. Längst hatte Filip Jicha auf konsequentes Durchwechseln umgestellt, dem Spaß-Handball der Zebras tat dies keinen Abbruch. Beim 24:12 durch Weinhold nach eigenem Steal betrug der Vorsprung erstmals zwölf Tore, bei Lukas Nilssons 101-km/h-Wurf zum 27:14 schon 13 Treffer. Der THW Kiel zog die gegnerische Deckung auseinander und traf weiter: Zarabec krönte seinen starken Auftritt mit einem 106-km/h-Hammer, Rahmel traf per Konter zum 30:15, Nilsson legte noch einen drauf. Als Zarabec dann auch noch mit einem fliegenden No-Look-Pass Wiencek am Kreis bediente und der zum 32:16 einnetzte (50.), feierten die schwarz-weißen Fans dies mit Gesängen und später auch der La Ola.

Nach zuletzt vier Heimspielen in Folge gehen die Zebras jetzt auf "Auswärtstournee": Am Donnerstag steht für sie die weiteste Fahrt der Bundesliga-Saison zum HBW Balingen-Weilstetten an. Anwurf ist um 19 Uhr, Sky überträgt live. Nach der Partie kehren die Zebras gar nicht erst nach Kiel zurück, denn bereits am Samstag um 17:30 Uhr (MEZ) sind sie in Weißrussland beim HC Meshkov Brest in der VELUX EHF Champions League gefordert, in der sie eine Woche später bei PGE Vive Kielce die Gruppenphase beschließen. Nach einem weiteren Auswärtsspiel bei GWD Minden in der Lübbecker Kreissporthalle (4. März, 19 Uhr) ist die Tournee vorüber: Am Sonntag, 8. März (13:30 Uhr), können sie im Spitzenspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen endlich wieder auf ihre "weiße Wand" bauen. Alle Begegnungen werden live von Sky übertragen, mit dem "Sky Ticket" kann man auch flexibel ohne lange Vertragsbindung live dabei sein. Weiter geht's, Kiel!

LIQUI MOLY HBL, 25. Spieltag, 16.02.2020: THW Kiel - TVB Stuttgart: 35:23 (19:11)

THW Kiel: N. Landin (2 Siebenmeter, 1/1 Parade), Quenstedt (1.-60., 14 Paraden, 1 Tor); Duvnjak (1), Reinkind (7), M. Landin (1), Weinhold (2), Wiencek (2), Ekberg (7/5), Rahmel (4), Dahmke (3), Zarabec (1), Horak, Pekeler (2), Nilsson (4); Trainer: Jicha

TVB Stuttgart: Bitter (1.-30., 4 Paraden), Lehmann (31.-60., 7 Paraden); Häfner (2), Asgeirsson, Weiss (2), Faluvegi (1), Späth, Lönn (1), Markotic (1), Röthlisberger (1), Zeitz (4), Zieker (6/3), Pfattheicher (4/2), Peshevski (1), Wieling; Trainer: Schweickardt

Schiedsrichter: Julian Köppl / Dennis Regner
Strafzeiten: THW: 1 (Rahmel (53.)) / TVB: 5 (Faluvegi (5.), 2x Lönn (9., 58.), Häfner (18.), Späth (30.))
Siebenmeter: THW: 5/5 / TVB: 6/5 (Landin hält Zieker (43.))
Spielfilm: 1:0, 2:1 (2.), 2:3 (4.), 4:3 (6.), 5:5 (7.), 8:5 (12.), 8:7 (15.), 11:7 (18.), 13:8 (21.), 16:9 (25.), 18:10 (29.), 19:11; 21:11 (32.), 24:12 (36.), 24:14 (38.), 27:14 (41.), 31:15 (46.), 33:17 (51.), 33:21 (57.), 35:22 (59.), 35:23.
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

THW-Trainer Filip Jicha: Tatsächlich bin ich sehr froh, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Wir waren gewarnt durch den Auftritt der Stuttgarter bei der MT Melsungen, die sie von der ersten bis zur 60. Minute im Griff hatten. Es tat uns gut, dass die Jungs wussten, dass sie heute genauso abliefern müssen wie gegen Veszprem, um den TVB zu bezwingen. Mit der Abwehrumstellung nach dem 8:7 haben wir Stuttgart zu Fehlern gewzungen und konnten Gegenstöße laufen. Plötzlich waren Sicherheit und Bestätigung da, und wir haben das Spiel sehr fokussiert durchgezogen. Ich habe mich gefreut, dass heute jeder spielen und seinen Beitrag zum Sieg leisten konnte.

TVB-Trainer Jürgen Schweickardt: Glückwunsch an den THW Kiel zu diesem mehr als verdienten Sieg. Wir hatten uns vorgenommen, länger und besser gegenzuhalten. Aber wir haben keinen guten Tag erwischt, haben viele Fehler gemacht. Vor allem aber war der THW Kiel sehr konzentriert und fokussiert. Trotzdem konnten wir bis zum 7:8 mithalten, obwohl wir da schon nicht gut gespielt haben. Zwangsläufig mussten wir dann aber irgendwann abreißen lassen. Dieses Spiel müssen wir jetzt schnell analysieren und unsere Lehren daraus ziehen.

 

 

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