Nils Torbrügge zum Abschied in Wetzlar

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1.Bundesliga
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Eigentlich hätte er im letzten Heimspiel der HSG Wetzlar gegen HBW Balingen-Weilstetten seinen Abschied mit den Fans feiern sollen, doch die Corona-Pandemie und der daraus resultierende Saisonabbruch in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga machten Nils Torbrügge einen Strich durch die Rechnung.

Der Kreisläufer muss ohne echtes letztes Heimspiel Abschied aus Mittelhessen nehmen. Nach 61 Spielen für die Grün-Weißen ist Schluss bei der HSG Wetzlar. Der Nebenmann des Schweden Anton Lindskog wechselt in der kommenden Saison zum Zweitliga-Aufsteiger Wilhelmshavener HV. Im dritten Teil der Interview-Reihe mit den Wetzlarer Abgängen spricht der 27-Jährige über das Favoriten-Ärgern, Kollegen neben dem Handballfeld und seine neue Aufgabe im Hohen Norden.

Nils, seit Mitte März ruht der Handball leider. Deshalb: Wie geht’s Dir? Was machst Du gerade?

Mit geht`s sehr gut, danke! Ich bin gesund, das ist das Wichtigste und ich nutze das schöne Wetter gerade aus. Durch den Abbruch der Saison habe ich den Umzug nach Wilhelmshaven schon früher in Angriff genommen und richte mich jetzt nach und nach ein. Ich versuche die Zeit ohne Handball einfach sinnvoll und kreativ zu nutzen.

Wie ist denn Dein Eindruck von Deinem neuen Verein?

Den werde ich mir erst noch machen müssen. Wilhelmshaven steigt aus der dritten Liga auf. Sie haben sich strukturell im Hintergrund ein bisschen verändert und sind durchaus ein Traditionsverein, mit einer langen Bundesliga-Geschichte. Der Club will versuchen sich in der zweiten Liga langsam nach vorne zu arbeiten. Ich hatte dort gute Gespräche und das Gesamtkonzept hat einfach gepasst. In der jetzigen Situation kann man froh sein, dass man schon einen Verein für die nächste Saison hat. Hätten sich die Vertragsverhandlungen länger gezogen, wäre das jetzt ganz schwierig geworden. Ich bin sehr glücklich über Wilhelmshaven, das wird eine interessante Zeit.

Was denkst Du wird denn der größte Unterschied zwischen der 1. und 2. Liga?

Ich habe drei Jahre in der 2. Liga gespielt und bin dabei drei Mal aufgestiegen. Ich habe eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Klar, wenn Du so viel gewinnst und am Ende Meisterschaften feierst. Ansonsten ist Zweitliga-Handball meiner Meinung nach nah dran an der 1. Liga. Es gibt natürlich kleine Unterschiede im athletischen und spielerischen Bereich. Dazu wird in kleineren Hallen gespielt, die enger sind und die körperliche Härte nimmt teilweise zu. Ich freue mich, in den kommenden vier Jahren in Wilhelmshaven eine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen.

Blicken wir nochmal zusammen zurück. Wie verlief die abgelaufene Saison für die HSG Wetzlar aus Deiner Sicht?

Wir haben den 9. Platz geholt. Das ist eine sehr gute Leistung, auf die wir stolz sein können. Im vergangenen Sommer hatten wir eine eindrucksvolle Vorbereitung gespielt und hatten zu Saisonbeginn dann einen kleinen Rückschlag mit der Auftaktniederlage gegen Lemgo zu Hause. Vielleicht war das aber auch der Tiefschlag zur richtigen Zeit. Danach haben wir wirklich viele Spiele gehabt, in denen wir Punkte holen mussten und das auch geschafften haben. Dazu haben wir einige Duelle auf Augenhöhe bestritten und gepunktet. Dazu Bonuszähler gegen Topteams geholt. Schade, dass die Saison letztlich abgebrochen werden musste. Wir hatten noch ein ganz gutes Restprogramm mit Gegnern, die schlagbar gewesen wären. Vielleicht hätten wir sogar Achter werden können.

Was war für Dich Euer bestes Spiel der Saison?

Da gab es durchaus einige gute Spiele. Welches Spiel genau das Beste war, sollen die Zuschauer entscheiden. Absolutes Highlight war natürlich der Sieg beim THW Kiel. Da war jeder am Leistungsoptimum und daran werde ich noch oft zurückdenken.

Und wie hast Du die Heimspiele in der Rittal Arena erlebt?

Auf jeden Fall deutlich angenehmer als die Auswärtsspiele, die ich zuvor mit anderen Clubs hier hatte! (lacht) Wir haben ganz oft wirklich tolle Spiele zu Hause gezeigt und die Zuschauer haben uns mit ihrer grandiosen Stimmung getragen. Die Unterstützung von den Rängen ist grandios. Dazu hatten wir auch immer viele Zuschauer, egal zu welcher Jahreszeit. Ich wünsche der HSG Wetzlar, dass weiterhin so viele Fans in die Aren strömen, weil es einfach eine tolle Atmosphäre, die da gemeinsam geschaffen wird.

Gibt es Momente, die Dir aus Mittelhessen in Erinnerung bleiben werden – fernab vom Handball?

Viele Erinnerungen haben natürlich mit Handball zu tun, weil ich mich auch oft mit den Jungs privat getroffen habe. Ich habe viele schöne private Anlässe erlebt. Es gab tolle Junggesellenabschiede und Mannschaftsfahrten. Das waren natürlich schöne Highlights kultureller Natur. Nebenbei habe ich mich beruflich weiter fortgebildet. Dafür bin ich der Firma Roth Energie sehr dankbar. Ich hatte dort tolle Kollegen, mit denen ich auch unbedingt in Kontakt bleiben möchte. Mal schauen, wie das mit den Besuchen hier klappt, denn in einer Saison mit einem vollen Spielplan ist das nicht ganz zu einfach und Wilhelmshaven ist ja auch nicht unbedingt um die Ecke.

Was waren Deine Höhen und Tiefen im grün-weißen Trikot?

Es waren sportlich zwei sehr erfolgreiche Jahre hier, mit dem Highlight-Spiel beim THW Kiel. Unschön war eigentlich nur diese Ungewissheit bis zum Saisonabbruch. Auch jetzt wissen wir nicht, wann es wieder losgehen kann. Solch eine Situation hatte ich vorher noch nie. Natürlich kann da keiner etwas dafür, aber persönlich mache ich mir da schon so meine Gedanken.

Wie war die Zusammenarbeit mit Kai Wandschneider?

Sein Ruf eilt ihm schon voraus. Kai hat einen anderen Führungsstil als viele andere Trainer in der Handball-Bundesliga. Das war für mich am Anfang auch etwas ungewohnt. Aber ich muss sagen, es funktioniert sehr gut. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis und konnten auf Augenhöhe kommunizieren. Er bringt einen hier und da ein Stück voran, sei es menschlich, sportlich oder auch privat. Ich konnte mir auf jeden Fall einiges abgucken.

Welcher Mitspieler hat Dich am meisten beeindruckt?

Sportlich hatte ich natürlich tolle Mitspieler, mit tollen handballerischen Fähigkeiten. Menschlich habe ich mich mit einigen sehr gut verstanden. Sowas prägt mich dann noch mehr als das reine Arbeitsverhältnis als Sportler. In den zwei Jahren habe ich auf jeden Fall Freundschaften geschlossen, die hoffentlich bleiben.

Welches Fazit ziehst Du nach Deiner Zeit in Mittelhessen?

Ein sehr positives! Es war eine erfolgreiche und schöne Zeit. Wir sind einmal Zehnter und dann Neunter geworden. Das muss man erstmal schaffen. Dazu haben wir oft Favoriten ärgern und stürzen können. Das hatte ich in meiner Karriere vorher noch nicht so oft. Macht Spaß! (lacht)

Was möchtest Du den Fans unbedingt noch sagen?

Liebe Fans, es ist schon schade, dass ich mich jetzt nur per Videobotschaft verabschieden kann.

Ich habe die zwei Jahre mit Euch sehr genossen. Ihr wart immer an unserer Seite. Bitte kommt weiterhin so zahlreich zu den Spielen in die Rittal Arena. Vielleicht sehen wir uns dort oder wo anders ja mal wieder. Ich freue mich schon auf meinen ersten Besuch und ein schönes Gespräch mit Euch. Bleibt gesund und der HSG Wetzlar treu.

 

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