Konstanz dicht davor Handball-Krimi zu drehen

Foto: Michael Elser

2.Bundesliga
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Die HSG Konstanz ist direkt mit einem unglaublichen Krimi, famosem Kampf, einer furiosen Aufholjagd – schließlich aber auch riesengroßer Enttäuschung beim Ex-Erstligisten TV Hüttenberg in die 2. Handball-Bundesliga gestartet.

Trotz einer sehr harten und frühen Rot-Entscheidung gegen Fabian Wiederstein sowie zwischenzeitlichem Sieben-Tore-Rückstand drehte Konstanz in den letzten 20 Minuten auf, blieb elf Minuten ohne Gegentor und hatte mehrmals die Chance zum Ausgleich. Doch am Ende triumphierte Hüttenberg und die HSG musste mit einer überaus unglücklichen 23:24 (10:14)-Niederlage die Heimreise antreten. Am Freitag, 20 Uhr, kommt Erstliga-Absteiger und Topfavorit SG BBM Bietigheim mit Weltmeister und Champions-League-Sieger Mimi Kraus zum einzigen Baden-Württemberg-Derby in die „Schänzle-Hölle“.

Er hatte alles gegeben, gezwungenermaßen eben von der Tribüne. Am Ende aber stand Fabian Wiederstein genau wie seine Mannschaftkameraden völlig bedröppelt auf dem Spielfeld, als sich der TV Hüttenberg von seinen gut 900 Zuschauern feiern ließ. Im lautstarken 40 Personen starken Konstanzer Fanblock herrschte hingegen große Fassungslosigkeit ob der sehr unglücklichen 23:24-Niederlage zum Saisonstart. Eine Schlüsselszene des intensiven, ausgeglichenen, mitunter auch
turbulenten Schlagabtauschs ereignete sich jedoch schon viel früher. Nicht einmal 17 Minuten waren absolviert, als Fabian Wiederstein frontal in einen harten Zweikampf mit seinem Gegenspieler ging. Als viele schon mit der zweiten Zeitstrafe für einen der zentralen Spieler der HSG rechneten, überraschten die beiden jungen Unparteiischen Julian Fedtke und Niels Wienrich aus Berlin mit der Roten Karte für den Kreisläufer. „Das hat uns – zumal so früh – natürlich nicht geholfen“, konstatierte Daniel Eblen und füge an: „Wer weiß, wie wichtig er für uns ist, dem ist klar, welche Auswirkungen das hatte“. Die Entscheidung selbst wollte er nicht kommentieren, denn wenn der Schiedsrichter „meint es ist Rot, dann ist das so.“

Allerdings kam nun wenig verwunderlich ein Bruch ins Konstanzer Spiel, die mit viel Kampf das Duell mit einem Zweitliga-Topteam bis hierhin ausgeglichen gestalten konnten (5:5). Die Zeit der Umstellung und der Versuch, verloren gegangene Kontrolle insbesondere in der Deckung wiederzuerlangen, dauerten. Vor allem in den letzten acht Minuten vor der Pause nutzte die erfahrene Mannschaft der Mittelhessen die Konstanzer Konfusion und die Lücken in der Abwehr zur 14:10- Pausenführung. Wirklich besser wurde es allerdings auch nach dem Seitenwechsel zunächst nicht. Hüttenberg konnte schalten und walten und oft unbedrängt aus guten Positionen zum Torabschluss kommen, sodass Simon Tölke vor und Michael Haßferter nach der Halbzeit nicht richtig in die Partie kamen – bis dahin.

Dieudonne Mubenzems Treffer zum 21:14 für den TVH 20 Minuten vor dem Ende war dann allerdings der Startschuss für eine unfassbare Schlussphase. Scheinbar schon geschlagen, gelang es den Gelb-Blauen nun endlich, zwei Gänge hoch zu schalten, ihre Stärken in der Deckung auszuspielen und formatierte durch schnelles Verschieben und frühes Stören ein echtes Bollwerk, hinter dem sich Neuzugang Haßferter mit zahlreichen tollen Paraden auszeichnen konnte. Knapp elf Minuten später hatte Hüttenberg immer noch nicht wieder getroffen, die HSG jedoch schon vier Tore gut gemacht und auf 18:21 aufgeschlossen. Wenig später erhöhte Daniel Eblen das Risiko mit dem siebten Feldspieler weiter und wurde prompt dafür belohnt. Matthias Hild stellte drei Minuten vor Ultimo den 22:23-Anschluss her.

Nun bot sich gar die Chance zum Ausgleich. Zweimal sogar. Doch wie schon zuvor, als die Gäste vom Bodensee mehrmals die Gelegenheit hatten, noch mehr das Ruder zu übernehmen, unterliefen ihnen haarsträubende Fehlpässe oder Fehlwürfe. So bekam Hüttenberg am Ende alles, Konstanz ging unglücklich völlig leer aus. „Hinten raus war es schade“, meinte der HSG-Coach, „da war mehr drin. Wir haben selbst bei sieben Toren Rückstand an uns geglaubt und zurückgekämpft und wären dafür fast belohnt worden.“ Für den 44-Jährigen kam die Leistungssteigerung in der Defensive „vielleicht etwas zu spät.“ Sein Bild: Lange habe die HSG versucht, den schweren Stein wegzuschieben, lange hatte er sich nicht bewegt. „Am Ende war er unterwegs, aber einen Tick zu spät. Mit ein bisschen mehr Erfahrung und Coolness hätten wir hier etwas holen können.“

So bleibt die Gewissheit, bei einem Zweitliga-Topteam auf Augenhöhe agiert und eine Siegchance kreiert zu haben. Mit dem Mut und positiver Energie aus einem guten ersten Auftritt erwartet die HSG Konstanz nun bereits am Freitag, 20 Uhr, Erstliga-Absteiger SG BBM Bietigheim mit Weltmeister und Champions-League- Sieger Mimi Kraus zum einzigen Baden-Württemberg-Derby in der „Schänzle- Hölle“. Auf eines der absoluten Saison-Highlights ist die Vorfreude bereits besonders groß, genauso wie die Zuversicht, wieder ein gutes Spiel und große Gegenwehr leisten zu können.

Das komplette Spiel im Re-live: www.hsgkonstanz.de/livestream

TV Hüttenberg – HSG Konstanz 24:23 (14:10)
HSG Konstanz: Simon Tölke, Michael Haßferter (Tor); Michel Stotz (3), Fabian Schlaich (3), Matthias Hild (3), Áron Czakó, Tom Wolf (2), Fabian Wiederstein, Paul Kaletsch (9/7 - siehe Foto), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann (2), Fynn Beckmann, Joschua Braun, Tim Jud (1), Tim Keupp, Samuel Wendel.
Trainer: Daniel Eblen

Zuschauer: 960 im Sportzentrum Hüttenberg.
Schiedsrichter: Julian Fedtke und Niels Wienrich aus Berlin
Zeitstrafen: Hüttenberg 8 Min., Konstanz 10 Min. inkl. Roter Karte für Fabian Wiederstein
Siebenmeter: 2/2 – 7/8

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