Uwe Gensheimer im Porträt

(Foto: Liqui Moly HBL)

Europameisterschaft
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Wenn es Uwe Gensheimer (33) gut geht, dann weint er schon mal. Wenn es ihm schlecht geht, dann hält er durch. Das ist so bei der EM, die für ihn unglücklich startete – mit Rot im ersten Spiel gegen die Niederlande (34:23) sowie zwei vergebenen Siebenmetern und dem daraus folgenden medialen Krisengeschreibe bei der 26:33-Pleite gegen Titelverteidiger Spanien.

Im entscheidenden dritten Gruppenspiel am Montagabend war der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft jedoch wieder entscheidend da: vier Tore beim 28:27 gegen Lettland, somit doch noch der Einzug in die Hauptrunde in Wien. Er hatte mit einer beherzten Energieleistung den letzten deutschen Treffer erzielt.

Gensheimers Spektrum belegen aber vor allem zwei andere Beispiele: Am letzten Bundesliga-Spieltag 2016 übermannten den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft die Gefühle. Die Rhein-Neckar Löwen bereiteten ihrem größten Star einen emotionalen Abschied: Ausverkauft, Halle verdunkelt, hymnische Klänge im Hintergrund – und dann wurde sein Trikot mit der Nummer 3 unter das Dach der SAP-Arena gezogen: mehr Ritterschlag geht nicht. Gensheimer weinte. Und er versteckte seine Tränen nicht. Ihn zog es zu Paris St. Germain. Weltstadt, Weltklub, einmalige Chance. Muss man machen. Aber schon beim Abschied war klar: „Ich komme wieder. Hier ist mein Zuhause.“

Zuhause, Familie, Freunde. Das zählt. Gerne mal in der Fremde blühen wollen, aber niemals die eigenen Wurzeln kappen. So tickt Gensheimer.

Und so war es keine Überraschung, dass Gensheimer zur vergangenen Saison wieder zu den Löwen in die LIQUI MOLY HBL zurückkehrte. Wieder bekam er sein Trikot mit der Nummer 3. Natürlich. Ehrensache. Diese Nummer hatten die Löwen in seiner Abwesenheit nicht vergeben.

Generell gilt die Rückkehr von Gensheimer in die LIQUI MOLY HBL als Signal: Ehrgeizige Superstars wie er wollen sich gerne dort messen, wo die Leistungsdichte am höchsten und die Hallen am besten besucht sind. Im Sommer folgt ihm immerhin sein ehemaliger Pariser Mitspieler Sander Sagosen nach Deutschland. Der Norwegen-Star gilt als kommender Welthandballer und wird beim THW Kiel anheuern.

Aktuell ist aber Gensheimer der größte Star in der besten Handball-Liga der Welt. Sportlich unantastbar. Und er lebt Werte. Auch, wenn das Schicksal gnadenlos zuschlägt.

Kurz vor der WM 2017 in Frankreich verstarb sein Vater. Jeder hätte verstanden, wenn Gensheimer auf die Teilnahme verzichtet hätte. Aber Gensheimer selbst nicht: „Das hätte mein Vater nicht gewollt.“ Und so ließ er sich teilweise zwischen Zuhause und Frankreich von Oliver Roggisch, Teammanager bei den Löwen und dem DHB, fahren. Und so erfüllte er seine Pflichten vorbildlich: für seine Familie, für seine Mannschaft, für sich selbst. Sein Vater wäre stolz gewesen.

„Uwe kann mit seinem Handgelenk Dinge machen, die nach den Gesetzen der Physik eigentlich unmöglich sind“, sagt Stefan Kretzschmar über Gensheimer. Kretzschmar war einst selbst ein Linksaußen von Weltklasseformat. Aber er weiß und räumt freimütig ein: Gensheimer ist noch besser.

Als Fünfjähriger hatte der mit dem Handball begonnen. Ein typischer Start: mit Freunden mal beim Training vorbeigeschaut, sofort Spaß gehabt. Dabei geblieben.

Zur Schonung von Mobiliar, Porzellan – und vor allem auch der elterlichen Nerven – war gleichwohl ein harter, herrlich verharzter Handball im Hause Gensheimer verboten. Also stopfte Klein-Uwe ein paar Socken zusammen, als textilen Ballersatz. Die Bewegung ausdrückende Redewendung „er macht sich auf die Socken“ passt somit auf Gensheimer ganz besonders. Denn für ihn stand nicht nur am Anfang die Socke. Vielmehr hat er vor einigen Jahren ein Unternehmen gegründet, das ausgerechnet bunte Socken designt und vertreibt. Auch einige Nationalmannschaftskollegen tragen mittlerweile die Socken aus der „Gensheimer-Kollektion“.

Das war kaum zu ahnen, als Gensheimer dereinst als Teenager zwischen dem Ludwig-Frank-Gymnasium in Neckarstadt Ost (einem Stadtteil von Mannheim) und dem Löwen-Vorgängerverein SG Kronau/Östringen zu pendeln hatte.

In dieser Zeit unterstützten ihn neben seinen Eltern vor allem der Olympiastützpunkt Rhein-Neckar sowie die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Die finanziellen und ideellen Zuwendungen waren wichtig, um neben dem Abitur auch den Einstieg in den Profisport zu schaffen.

Uwe Gensheimer in den Sozialen Medien

Instagram: @uwegensheimer
Facebook: @uwegensheimer
Twitter: @uwegensheimer

Ganz in der Nähe des alten Schulwegs kann man neuerdings beim Kapitän der Nationalmannschaft auch Kaffee trinken. Gensheimer lebt sein Unternehmer-Gen auch als Gastronom aus. Zusammen mit seinem Freund Boris Antic, den er bereits aus Schülertagen kennt, betreibt Gensheimer seit 2019 das Bistro "Cornelienhof" in Mannheim.

Da verwundert es kaum, dass Gensheimer keinen weiteren Auslands-Einsatz plant, zu verwurzelt ist er bei den Löwen und in der Region.

Zusammen mit seiner Ehefrau Sandra und dem gemeinsamen Sohn Matti wird das neue Haus bezogen. Dort ist auch Kevin Trapp herzlich willkommen. Der Torwart der Fußballer von Eintracht Frankfurt wurde zum Freund, als beide gleichzeitig in Paris Handball beziehungsweise Fußball spielten.

Gensheimers Ehefrau Sandra ist bei SAP bestens ausgebildet worden. Theoretisch könnte sie überall auf der ganzen Welt für SAP arbeiten. Gensheimer selbst hat seinen Paris-Aufenthalt genutzt, spricht seitdem sehr gut Französisch. Sein Sportmanagement-Studium rundet das Paket ab. Als Weltklasse-Handballer bringt er seit Jahren unter Druck Höchstleistungen, er ist unternehmerisch tätig, international erfahren und bestens vernetzt. Menschen mit diesem Profil werden immer gesucht.

Aber so lange Uwe Gensheimer noch für die Löwen und die Nationalmannschaft macht, was Kretzschmar als „physikalisch eigentlich oft unmöglich“ bezeichnet, so lange bleiben die Gensheimers da, wo sie sich am wohlsten fühlen: in der Heimat.

Uwe Gensheimer im Steckbrief

Aktueller Verein: Rhein-Neckar Löwen
Alter: 33
Position: Linksaußen
Länderspiele: 178
Größe: 1,88 Meter
Wurfhand: rechts

Bisherige Vereine:
Rhein-Neckar Löwen (2003 - 2016)
Paris Saint Germain (2016 - 2019)
Rhein-Neckar Löwen (seit 2019)

Erfolge:
Olympia-Bronze 2016
Deutscher Meister 2016
EHF-Pokalsieger 2013
Französischer Meister 2017, 2019, 2019
Französischer Pokalsieger 2018

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