Kiel jubelt - Viertelfinale erreicht

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Was für ein Kampf, was für eine Leidenschaft, was für ein "VELUX EHF Champions League"-Abend! Der THW Kiel ist die erste deutsche Mannschaft, die seit Einführung des neuen Reglements die Gruppenphase auf Platz eins abschließen wird.

Die Zebras verwandelten am Mittwochabend in der ausverkauften Sparkassen-Arena ihren ersten Matchball und bezwangen in einem unglaublich intensiven Spiel den direkten Verfolger Telekom Veszprem mit 29:28 (15:15). Am Ende von 60 Minuten, die beinahe alles boten, was den Handball ausmacht, war es eine Parade von Niklas Landin, die die 10285 Zuschauer in Ekstase versetzte. Mit der "La Ola" feierten die Zebras den Erfolg, zu dem Niclas Ekberg 8/4 und der überragende Hendrik Pekeler sieben Treffer beisteuerten.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war für den THW Kiel nicht die beste: Patrick Wiencek (Gehirnerschütterung) konnte genauso wenig mitwirken wie Nikola Bilyk, der nach einer sechstägigen Grippe-Pause noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte war. Gegen die offensivstärkste Mannschaft der Gruppe B bildeten Pavel Horak und Hendrik Pekeler den Mittelblock, der die Ungarn aufhalten sollte. Die starteten allerdings stark, zogen die neuformierte Kieler Defensive mit langen Kreuzungen auseinander und hatten in Vuko Borozan einen treffsicheren Schützen. So drehten sie die zwischenzeitliche 3:2-Führung der Zebras in ein 6:4 und hatten zunächst die besseren Lösungen parat. Bis zum 8:6 (12.) hielt der Titel-Favorit den Vorsprung, dann drehte Schwarz-Weiß mit der Unterstützung von den Rängen erstmals richtig auf: Lukas Nilsson jagte direkt nach seiner Einwechslung den Ball mit 105 km/h zum 7:8 in die Maschen, Niklas Landin hielt gegen Omar und schickte Bruder Magnus auf die Reise zum Ausgleich, ehe Ekberg einen Siebenmeter zum 9:8 verwandelte. Der THW hatte sich in die Partie gekämpft, jetzt ging es mit offenen Visieren zur Sache.
Remis zur Pause

 

Beide Seiten schenkten sich wenig Raum und packten beherzt zu
Er Recht, nachdem Ekberg und Steffen Weinhold das 12:10 erzielt hatten - die Ungarn nahmen die Auszeit und brachten Arpad Sterbik ins Tor. Der hielt sofort den ersten Wurf, und mit einem 3:0-Lauf war Veszprem wieder vorn. In beiden Defensivreihen wurde sich kein Zentimter Raum gegeben, Pekeler ackerte im Deckungszentrum und im Angriff gegen die Hünen in der schwersten Abwehr der VELUX EHF Champions League. Und das mit Erfolg: Nilsson auf Pekeler - 13:13. Landin mit einer Parade gegen einen Kempa von Rasmus Lauge, der starke Miha Zarabec mit No-Look-Pass auf Pekeler - 14:13. Eine Führung, die allerdings nicht bis zum Wechsel Bestand hatte, weil Manskov noch zum 15:15 ausglich. Zeit zum Durchschnaufen - für die alles gebenden Zebras und auch ihre lautstarken Fans.

Doch diese erste Hälfte sollte erst der Vorgeschmack gewesen sein auf den entscheidenden Durchgang. In diesem hatten die Zebras die Vorteile zunächst auf ihrer Seite: Nach Rogerio Ferreiras Ausgleich zum 17:17 sorgte Weinhold mit einer ansatzlosen Fackel für die erneute Kieler Führung, die wenige Aktionen später aus der Sparkassen-Arena ein Tollhaus machen sollte: Pavel Horak bediente Ekberg zum 19:17, Duvnjak klaute den Ball und schickte Rune Dahmke auf die Gegenstoß-Reise, und als dann auch noch Ekberg einen Veszprem-Fehler mit dem 21:17 bestrafte, war der Jubel wahrscheinlich noch in der Innenstadt zu hören: Auszeit Veszprem, ohrenbetäubende Ovationen.

Wieder stoppten die Ungarn mit der Unterbrechung den Kieler Lauf, bestraften ihrerseit jeden Fehler der Schwarz-Weißen gnadenlos. Denen fehlte nach Pekelers fantastischem Dreher zum 24:20 (42.) auch ein wenig das Fortune im Abschluss. Pekeler scheiterte an Cupara - einer von nur zwei Fehlwürfen des Kreisläufers -, Nilsson an der Latte: Beim 24:25 war Veszprem wieder dran (46.), nach dem 25:26 nahm Jicha eine Auszeit, weil sich seine Mannschaft zunehmend schwerer mit der gegne-rischen Abwehr tat. Für einen Angriff brachte er den siebten Feldspieler, Pekeler holte einen Siebenmeter heraus, den Ekberg verwandelte. Kurz darauf schnappte sich der schnelle Schwede den Ball und schickte Pekeler, der noch immer von Schmerzen an der Achillessehne geplagt wird, zum 28:25 auf die Gegenstoß-Reise. Neun Minuten vor dem Ende schien sich die Waage wieder in Richtung des THW Kiel zu neigen. Zumal Nilsson das 29:26 erzielte, Dahmke das Stürmerfoul zog - und danach angeschlagen wie ein Boxer taumelnd vom Platz musste.

Das war ein wenig sinnbildlich für den THW in den letzten acht Minuten. Müdigkeit nach den Strapazen dieses packenden Spiels sorgte für Ungenauigkeiten, mit langen Angriffen versuchten die Zebras, den entscheidenden Punch zu setzen. Doch es gelang ihnen nicht - dafür wurde in der Abwehr umso mehr geackert, sich jedem Werfer entgegengestellt, Lücken geschlossen. Doch als Borozan 90 Sekunden vor dem Ende zum 28:29 traf, drohte die Belohnung für eine unfassbare kämpferische Leistung der Zebras auszubleiben. Cupara hielt Zarabec' Wurf, und Veszprem bekam in der Schlussminute den Ball. Die Anspannung, der Matchball, der große Kampf in diesem packenden Spiel - alles kulminierte in dieser letzten Aktion der Ungarn. Borozan fand die Lücke, zog ab - und scheiterte an Niklas Landin. Der Rest war Jubel, die Zebras feierten mit der La Ola ihre Fans und den Gruppensieg, der durchaus geschichtsträchtig ist: Zum ersten Mal beendet eine deutsche Mannschaft nach der Einführung des neuen Reglements die Gruppenphase auf Platz eins!

Kurzes Verschnaufen, bevor es für die Kieler in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga weiter geht: Am Sonntag empfangen sie den TVB Stuttgart zum letzten Heimspiel der Vierer-Serie, bevor sich die Zebras für mehr als drei Wochen von ihren Fans verabschieden. Gegen die Schwaben können sie indes noch einmal auf die Unterstützung der "weißen Wand" bauen - noch gibt es einige Tickets für die Partie an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in der THW-FANWELT und im Online-Ticketshop des THW Kiel unter www.thw-tickets.de . Im bisher dritten Saisonspiel gegen die Stuttgarter (Anpfiff: 16 Uhr) wollen die Zebras die Tabellenführung in der "stärksten Liga der Welt" verteidigen - dafür müssen zwei Punkte her! Auf geht's, Kiel!

VELUX EHF Champions League, 12. Spieltag, 12.02.2020: THW Kiel - Telekom Veszprem: 29:28 (15:15)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 10 Paraden), Quenstedt (n.e.); Duvnjak (2), Reinkind (1), M. Landin (1), Weinhold (2), Ekberg (8/4), Rahmel (n.e.), Dahmke (1), Zarabec (4), Horak, Bilyk (n.e.), Pekeler (7), Nilsson (3); Trainer: Jicha

Telekom Veszprem: Sterbik (22.-37., 1 Parade), Cupara (1.-22., 37.-60., 8 Paraden); Manaskov (4), Omar (4), Ferreira (2), Gajic (1/1), Nilsson (5), Marguc, Lauge (1), Strlek (2), Terzic, Blagotinsek, Nenadic (2), Mackovsek (2). Lekai, Borozan (5); Trainer: Davis

Schiedsrichter: Dalibor Jurinovic / Marko Mrvica (CRO)
Strafzeiten: THW: 1 (Duvnjak (12.)) / Veszprem: 2 (Borozan (4.), Terzic (14.))
Siebenmeter: THW: 4/4 / Veszprem: 1/1
Spielfilm: 0:1, 1:2 (4.), 3:2 (6.), 3:4 (8.), 4:4, 4:6 (11.), 5:7, 6:8 (12.), 9:8 (18.), 10:10 (20.), 12:10 (22.), 12:13 (25.), 14:13 (26.), 15:14 (30.), 15:15; 16:15, 17:17 (34.), 21:17 (38.), 21:19 (39.), 23:19 (40.), 24:20, 24:22 (43.), 25:22, 25:24 (46.), 26:25, 28:25 (51.), 29:26 (52.), 29:28 (59.).
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

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Letzte Aktualisierung: 31.03.2020 12:02:20
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