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Krachende Heimniederlage für THW

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Die Zebras haben ihre Heim-Premiere nach 200 Tagen ohne Spiel in der Wunderino Arena gründlich verpatzt: Gegen den französischen Vizemeister HBC Nantes setzte es eine krachende 27:35 (12:15)-Niederlage, bei der die Kieler schon früh ins Hintertreffen gerieten und am Ende chancenlos waren.

Bester Torschütze der Begegnung war Valero Rivera mit 10/4 Treffern, für die Kieler trafen vor 1523 lautstarken Fans Hendrik Pekeler, Sander Sagosen und Magnus Landin je vier Mal. Die Franzosen feierten in ihrem 100. internationalen Spiel und dem ersten Aufeinandertreffen mit dem THW Kiel überhaupt einen denkwürdigen Erfolg.

Auf diesen Moment hatten sich Fans und Spieler des THW Kiel seit Monaten gefreut - zum ersten Mal wieder in die abgedunkelte Arena einlaufen, zum ersten Mal wieder Handball im Wohnzimmer des Sports, zum ersten Mal wieder anfeuern. 1523 Zuschauer hatten sich in der kurzen Phase nach der Entscheidung, dass der THW Kiel keine Geisterspiele austragen muss, ihr Ticket gesichert und feierten die Schwarz-Weißen mit einer großartigen Lautstärke. Unterstützen die Zebras nach Kräften und hielten sich äußerst diszipliniert an das Regelwerk, das in diesen Zeiten umfangreich ist. Mittendrin der Fan-Foto-Block, der Beginn einer zusammenhängenden "weißen Wand" in Corona-Zeiten: Mit den Fotos und den Fans war dieser Bereich am besten gefüllt und vermittelte zumindest ein wenig das Gefühl, das vor sechs Monaten sich in schöner Regelmäßigkeit einstellte - das der prickelnden Stimmung in einer vollbesetzten Arena (sicher Dir jetzt dein Fan-Foto und unterstütze damit den THW Kiel).

Und es passte zu diesem feierlichen wie denkwürdigen Moment, das ausgerechnet THW-Neuzugang Sander Sagosen das erste Tor in der Wunderino Arena nach 200 Tagen Handball-Abstinenz erzielten sollte. 2:27 Minuten dauerte bis zum ersten Treffer, zwei weitere bis zum von Steffen Weinhold toll herausgespielten 2:1 durch Rune Dahmke. Was folgte, war ein Doppelschlag der Gäste zur ersten Führung: In Überzahl traf Augustinussen zum 3:2, das Dahmke postwendend mit einer artistischen Flugeinlage egalisierte. Es entwickelte sich daraufhin ein Schlagabtausch, in dem die Franzosen stets vorlegten. Meister über ihren Mann der ersten Hälfte, Valero Rivera. Aber auch mit variablem Spiel über den Kreis, das die Kieler Defensive bis zum Schlusspfiff kaum in den Griff bekam. Nantes wirkte wacher, sicherte sich die Abpraller, stellte die Zebras mit einer sattelfesten Abwehr vor Probleme und hatte mit Nielsen einen Torhüter, der sich für die Kieler im weitern Verlauf zu einer Art Schreckgespenst entwickeln sollte.

Dass die ersatzgeschwächt angereisten Franzosen sich etwas für diese Begegnung vorgenommen hatten, wurde nach Harald Reinkinds 6:6 deutlich: Jeder Fehler der Zebras wurde gnadenlos bestraft, binnen 90 Sekunden kassierte der THW Kiel drei Gegentore und musste erstmals ein wenig abreißen lassen. Auch, weil die Kieler Chancen im Dutzend liegenließen. Dahmke scheiterte am zurückeilenden Nielsen, Patrick Wiencek hob den Ball über das Tor, Reinkind produzierte ein zumindest fragwürdiges Stürmerfoul, Niclas Ekberg traf den Innenpfosten, aber nicht das Netz: HBC zog gar auf 10:6 davon, doch der THW kämpfte sich zurück. Mit variablem Spiel wie bei Sagosens Pass auf den einfliegenden Wiencek, mit starken Einzelaktionen wie Zarabec' Eins-gegen-Eins und Konsequenz wie bei Ekbergs Anschlusstreffer. Beim 9:10 war der THW wieder dran, machte dann aber wieder Fehler. Und trotzdem: Weil Quenstedt einen Siebenmeter hielt und Pekeler zwei schnelle Treffer erzielte, hätte diese erste Hälfte beim Stand von 12:13 ein gutes Ende nehmen können. Doch dann kassierte Wiencek seine zweite Zeitstrafe, traf Routinier Lazarov zum 14:12, scheiterte der durch einen Infekt geschwächt in die Partie gegangene Duvnjak an Nielsen, der zu allem Überfluss noch vor der Sirene das 15:12 ins verwaiste Tor warf.

Wie abgezockt die Franzosen insgesamt agierten, zeigte sich nach Wiederanpfiff: In doppelter Unterzahl erzielte Nantes mit einem frechen Kempa durch Ovnicek das 17:12, dem Lazarov später von Außen (!) das 18:13 folgen ließ. Und doch keimte bei den Fans und den Zebras wieder Hoffnung auf, als Weinhold und Magnus Landin zum 19:21 trafen. Dass an diesem Abend aber alles gegen den THW Kiel lief, wurde wenig später deutlich: Lucas de la Breteche war ein Stürmerfoul unterlaufen, Wiencek traf in Überzahl ins leere Tor zum vermeintlichen 20:21. Doch weit gefehlt: Nantes' Trainer Alberto Entrerrios hatte noch vor der Aktion seines Angreifers die Auszeit-Karte gezogen. Statt eines Ein-Tore-Rückstandes als Start einer starken Schlussphase kassierten die Kieler das 19:22 durch Augustinussen - der Beginn der bittersten Phase der Partie. Fehler der Zebras wechselten sich mit Nielsen-Paraden ab, und der HBC zog unerbittlich bis auf 26:19 davon. Und weil die Kieler Defensive nun auch den hinterlaufenden Figueras nicht in den Griff bekam, wurde es richtig deutlich: Beim 23:32 betrug der Rückstand erstmals neun Tore, die höchste Heimniederlage in der EHF Champions League konnten die Zebras dann aber noch abwenden, weil Ekberg zum 27:35 traf. Richtiger Jubel im Rund der Arena brandete in der Schlussphase nur noch einmal auf: Als U23-Keeper Philip Saggau einen Wurf von Königsklassen-Legende Lazarov fangen konnte...

Die Zebras, die sich nach dem Schlusspfiff bei jedem der Fans in der Arena mit langanhaltendem Applaus bedanken zu wollen schienen, richten nun den Blick bereits auf die nächste, schwere Aufgabe: Am kommenden Samstag (20:30, live im Free-TV bei Sky Sport News HD) trifft der THW Kiel beim Pixum Super Cup im Düsseldorfer ISS Dome auf die SG Flensburg-Handewitt. Die Vorzeichen vor dem ersten zu vergebenden Titel der neuen Saison könnten unterschiedlicher nicht sein: Während die Zebras nach dem 22:30 gegen Flensburg im November 2016 jetzt die zweithöchste Königsklassen-Niederlage ihrer Geschichte kassierten, gewannen die Flensburger am Mittwochabend erstmals überhaupt bei Paris Saint-Germain und reisen nun mit breiter Brust zum Derby nach Nordrhein-Westfalen. Weiter geht's in Düsseldorf, Kiel!

EHF CHAMPIONS LEAGUE, 2. SPIELTAG: THW KIEL - HBC NANTES: 27:35 (12:15)

THW Kiel: Saggau (55.-60., 1 Parade), Quenstedt (1.-55., 7/2 Paraden); Ehrig (n.e.), Duvnjak (1), Sagosen (4), Reinkind (2), M. Landin (4), Weinhold (2), Wiencek (3), Ekberg (3), Wäger, Dahmke (2), Zarabec (2), Calvert (n.e.), Horak, Pekeler (4); Trainer: Jicha

HBC Nantes: Dumoulin (n.e.), Nielsen (1.-60., 15 Paraden, 1 Tor); Damatrin, Briet (4), Ovnicek (3), Milic, Rivera (10/4), Austustinussen (4), Pechmalbec (4), Figueras (6), Feliho, Bataille, Lazarov (2), Monar, de la Breteche (1); Trainer: Entrerrios

Schiedsrichter: Duarte Santos / Rocardo Fonseca (POR)
Zeitstrafen: THW: 3 (2x Wiencek (6., 29.)) / Nantes: 7 (Feliho (15.), Figueras (20.), Briet (32.), Bataille (32., 40.), Bankstrafe (40.), Pechmalbec (46.))

Siebenmeter: THW: 0 / Nantes: 6/4 (Quenstedt hält Rivera (27.) und Lazarov (39.))

Spielfilm: 1:0, 2:1, 2:3 (7.), 4:5, (10.), 6:6 (11.), 6:10 (18.), 9:10 (22.), 9:12 (24.), 10:13, 12:13 (29.), 12:15;
12:17 (33.), 14:19 (35.), 16:20 (38.), 17:21, 19:21 (41.), 19:26 (48.), 22:28 (51.), 22:30 (53.), 23:32 (55.), 25:34, 27:35.
Zuschauer: 1523 (Wunderino Arena, Kiel)


THW-Trainer Filip Jicha: Glückwunsch an Nantes zu diesem Erfolg in eurem 100. Europapokal-Spiel. Ihr habt uns heute zerstört. Wir haben während der 60 Minuten unseren Kopf verloren. Meine Jungs haben im Training hart und gut gearbeitet, heute hat sich aber brutal gezeigt, dass Training und Wettkampf zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Es ist uns heute nicht gelungen, nur auf uns zu schauen. Das war ein Schlag ins Gesicht, und ich hoffe, dass wir diesen schnell hinter uns lassen können. Das Gute im Handball: Schon in 48 Stunden spielen wir das nächste, prestigeträchtige Match. Wir freuen uns auf das Spiel gegen Flensburg, wollen und müssen dort eine ganz andere Leistung zeigen. So wie heute sollte man diesen Club nicht repräsentieren. Im ersten Heimspiel nach der Corona-Pandemie und nach so langer Pause so zu verlieren, tut weh. Ein großes Dankeschön geht aber an unsere Zuschauer. Sie standen hinter dem Verein und den Jungs. In diesen schweren Zeiten für den Handball braucht der Club und brauchen unsere Jungs solche Fans! Eine Niederlage wie heute macht es sicherlich nicht einfacher. Hoffentlich werden wir all unsere Zuschauer, die den Weg in die Arena finden, im nächsten Heimspiel nicht enttäuschen.

Nantes' Trainer Alberto Entrerrios: Es war ein unglaubliches Match, wir haben trotz der vielen Verletzungen an uns geglaubt und wollten hier unbedingt gewinnen. In unserem 100. internationalen Spiel einen solchen Erfolg zu feiern, war schon genial. Ich bin jetzt sehr, sehr glücklich und hoffe, dass Kiel im Rückspiel seine wahres Leistungsvermögen zeigen wird.

THW-Linksaußen Magnus Landin: Glückwunsch an Nantes. Wenn du in Kiel spielst, bist du es nicht gewohnt, so ein Spiel erleben zu müssen. Wir müssen uns jetzt ansehen, was heute alles falsch lief. Denn schon in zwei Tagen haben wir die nächste wichtige Partie. Es war für uns sehr wichtig, dass heute Zuschauer in der Arena waren. 1500 Zuschauer haben gezeigt, wie laut sie sein können. Aber das Match konnten sie nicht gewinnen, dass haben wir Spieler allein verloren.

Nantes' Kapitän Rock Feliho: In Kiel zu gewinnen, schaffen nicht viele. Schon gar nicht in der EHF Champions League, Wir hatten großen Respekt vor dieser Partie, aber wir haben immer an uns und unsere Sieg-Chancen geglaubt. Und wir wussten, dass wir es besser können als wir es im engen Match gegen Veszprem gezeigt haben. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft in diesem für uns so besonderen Spiel. Ich habe solch ein Resultat nicht erwartet, aber unser Sieg war verdient.

THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi: Wir hatten heute in der Abwehr erhebliche Probleme, waren nicht zu einhundert Prozent da und haben die Zweikämpfe nicht so gewonnen, wie wir es von uns gewohnt sind und heute auch erwartet haben. Es ist mir ein großes Anliegen, allen Fans, die heute in der Arena waren, die Stimmung gemacht und die Mannschaft unterstützt haben, einen Riesen-Dank auszusprechen.

 

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