Zebras auf dem Weg nach Zaporozhye

Foto: Ingrid Anderson-Jensen

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Donnerstags LIQUI MOLY Handball-Bundesliga, am Wochenende VELUX EHF Champions League: Das ist das Programm der Zebras in den kommenden zwei Wochen.

Und so wird sich der THW Kiel am Samstag auf die gut 2200 Kilometer lange Reise ins ukrainische Zaporozhye machen, um dort am Sonntag eine wichtige Partie im Kampf um die Tabellenführung in der Gruppe B zu bestreiten. Im "Sportpalast Yunost" empfängt der HC Motor Zaporozhye die Zebras um 17 Uhr deutscher Zeit, Sky überträgt das Duell live.
Zebras starten in Holtenau

Treffpunkt Flughafen Kiel-Holtenau: Um den extrem geforderten Zebras zusätzliche Reisestrapazen zu ersparen, wird die kleine schwarz-weiße Königsklassen-Delegation am Samstagvormittag quasi direkt vor den Toren des Trainingszentrums die Mission "wichtige Auswärtspunkte" starten. Mit einer Charter-Maschine geht es mit einer aus formalen Gründen nötigen Zwischenlandung in Warschau direkt in die 790.000-Einwohner-Stadt am Djnepr. Gut fünf Stunden werden die Kieler planmäßig unterwegs sein, noch am Abend wird Trainer Filip Jicha seine Mannschaft zum Training im "Sportpalast der Jugend" zusammenrufen. Die Arena, ursprünglich seit den 1960er Jahren Zentrum der sportbegeisterten Stadt, wurde 2018 nach einer aufwändigen Restaurierung wiedereröffnet und bietet jetzt rund 3500 Zuschhauern Platz. Am Sonntag, so die Hoffnung des ukrainischen Titelträgers, soll eine ausverkaufte Halle dem THW Kiel einen heißen Tanz bereiten. Denn erstmals trifft der HC Motor Zaporozhye, der wegen der Ukraine-Krise lange Jahre seine Heimspiele im rund 300 Kilometer entfernten Charkiw austrug, in seiner Heimat auf den deutschen Rekordmeister. Die "Heim-Premiere" gegen die Zebras im Achtelfinal-Hinspiel 2014 hatte der HC Motor auf dem Höhepunkt der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ost-Ukraine im ungarischen Györ austragen müssen. Es war das erste von bisher erst zwei Spielen beider Mannschaften gegeneinander, beide Male siegten die Schwarz-Weißen.

Am Sonntag wird der THW Kiel daher auf eine extrem motivierte Mannschaft treffen, für die das Spiel gegen die Zebras wohl die Partie des Jahres ist. "Das Achtelfinale ist unser Minimalziel. Aber wir wollen erstmals in der Vereinsgeschichte das Viertelfinale erreichen. Das ist vielleicht hochgegriffen, aber nicht unmöglich", hatte Teammanager Olimpii Pokatov vor der Saison vielsagend die Ziele seines Clubs umrissen. Der setzt seinen Optimismus vor allem auf die Heimspiele im "Sportpalast Yunost", wie Pokatov hinzufügte: "Ich bin mir sicher, dass wir mit unseren Fans im Rücken in der Gruppen-phase für die ein oder andere Überraschung sorgen können." Und gleich im ersten - und bisher einzigen - Heimspiel der aktuellen Saison in der VELUX EHF Champions League hatte das Team von Trainer Mykola Stepanets den Worten beinahe Taten folgen lassen: Den Titelverteidiger HC Vardar hatte man am Rand einer Niederlage, führte zur Pause mit 18:16, um am Ende einer dramatischen Partie und einem 30:31 doch dem Gegner gratulieren zu müssen. Nach den deutlichen Niederlagen in Veszprem und Kielce sowie dem knappen 31:33 beim HC Meshkov Brest ziert der HC Motor Zaporozhye derzeit das Tabellenende der Gruppe B, hat allerdings nach dem jüngsten Punktgewinn beim FC Porto eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein getankt: In der Schlussminute hatte man auswärts mit zwei Treffern in Rückstand gelegen, um dann doch noch ein 35:35 zu erzielen. "Handball ist heutzutage wie Basketball", hatte Stepanets anschließend sinniert, "auch wenn du mit ein oder zwei Toren kurz vor Schluss führst, kannst Du das Spiel immer noch verlieren."

"Zu Hause sind wir eine Macht, das wollen wir auch gegen Kiel unter Beweis stellen", kündigte Kapitän Zakhar Denysov den Zebras einen heißen Tanz in Zaorozhye an. Bei diesem wird auch ein ehemaliger Kieler kräftig mitmischen: Dener Jaanimaa. Der estnische Linkshänder, der zwischen Januar und August 2016 in 28 Spielen das schwarz-weißen Trikot mit der Nummer "24" trug, wechselte vor dieser Spielzeit vom Zweitligisten TuS N-Lübbecke zum Champions-League-Club. Ein weiteres aus der Bundesliga bekanntes Gesicht ist Stanislav Zhukov. Eigentlich hatte der ukrainische Halblinke nach zwei Jahren bei den Oberbergischen seinen Vertrag beim VfL Gummersbach verlängert, doch der Abstieg des VfL zwang auch den 27-Jährigen zum Umdenken. Kurzerhand wechselte Zhukov zurück zu seinem Heimatclub. Jaanimaa und Zhukov sind neben dem montenegrinischen Nationalspieler Stevan Vujovic die namhaftesten aller Neuzugänge beim kommenden THW-Gegner.

Die Hauptrolle beim HC Motor spielt allerdings ein anderer: Routinier Barys Pukhouski ist als Shooter und Regisseur Dreh- und Angelpunkt des siebenfachen ukrainischen Meisters. Der inzwischen 32-jährige Weißrusse war in der Saison 2018/2019 viertbester Werfer der Königsklasse, obwohl er vier Spiele weniger als die "VELUX EHF Final4"-Teilnehmer absolviert hatte. Und auch in dieser Spielzeit ist Pukhouski, der mit der Traditions-Nummer "10" aufläuft wieder "on fire": Mit 29 Treffern - satte zwölf davon erzielte er beim Remis in Porto - ist der Rechtshänder erneut bester Torschütze seiner Mannschaft. Er und der bisher 26 Mal erfolgreiche russische Linksaußen Igor Soroka, Konkurrent von Team-Kapitän Denysov, erzielten bisher ein Drittel aller Motor-Tore.

"Wir wollen in der Ukraine unbedingt die zwei Punkte holen", sagt THW-Linkshänder Harald Reinkind. "Wenn man bis zum Schluss um den Gruppensieg mitspielen möchte, kommt es auf jeden Zähler an." Anwurf ist am Sonntag um 17 Uhr deutscher Zeit, die Begegnung wird von den schwedischen Unparteiischen Mirza Kurtagic und Mattias Wetterwik geleitet. Für die EHF reist der Este Urmo Sitsi nach Zaporozhye.  Auf geht's nach Zaporozhye, Kiel!

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Ergebnisdienst Pokal

05.02.2020 12:00
EHF Champions League, 04.Spieltag
  
HC Motor Zaporozhye - HC Meshkov Brest 0 : 0
Letzte Aktualisierung: 08.12.2019 14:22:10
Legende: ungespielt laufend gespielt